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Q u o   v a d i s   V e r b u n d   R e g i o n   B r a u n s c h w e i g ?

Vier Verkehrsunternehmen kündigen: Kein Ticket für alle! Verbundtarif Region Braunschweig vor dem Aus?

Zusammenfassung und Fazit (1)

Die Braunschweiger Verkehrs-AG (BSVAG), Kraftverkehr Mundstock, die Verkehrsgemeinschaft Peine (VG Peine) und die Verkehrsgesellschaft Gifhorn (VLG) haben mit Wirkung zum 01. Januar 2006 den recht erfolgreichen Verbundtarif Region Braunschweig (VRB) bzw. den Einnahmenaufteilungs- und Ausgleichsvertrag (EAV) gekündigt.

Da diese Unternehmen zahlen, also von ihren Einnahmen einen Teil an den VRB abgeben müssen, während andere Verkehrsunternehmen Mittel erhalten, scheint eine Kündigung gerechtfertigt und nachvollziehbar, insbesondere wenn der VRB mittlerweile einen Überschuss erzielt. Der EAV hat den Verkehrsunternehmen deren Einnahmen aus dem Basisjahr 1997 plus einer dynamisierten Fortschreibung garantiert.

Bei einer genaueren Betrachtung und Analyse kann unter anderem Folgendes festgestellt werden:

  • Schließen sich unterschiedliche Verkehrunternehmen mit unterschiedlichen Tarifen zu einem Verbundtarif zusammen, so ergeben sich automatisch Zahler und Empfänger. Dieses ist verbundbedingt und kein Maßstab und Kriterium für Erfolg oder Wirtschaftlichkeit des Verkehrsunternehmens.
  • Dadurch bedingt ist ein Vergleich von Preisstufen "ohne Verbund" und "mit Verbund" nicht zulässig, eingeschränkt allenfalls der Vergleich von Relationen.
  • Durch einen Verbundtarif ergeben sich Verschiebungen bei den erzielten Einnahmen, da der Fahrgast z. B. nur noch beim ersten Verkehrsunternehmen seinen Fahrausweis lösen muss.
  • Wird die Fahrgaststatistik nur über die Verkaufsstatistik ermittelt und nicht über eine haltestellen- und unternehmensscharfe Verkehrserhebung, so ergeben sich auch hier Verschiebungen, da nur noch bei einem Verkehrsunternehmen ein Fahrausweis gelöst wird. Diese ist nicht mit der in diesem Jahr bei der BSVAG durchgeführten erweiterten Schwerbehindertenzählung zu verwechseln.

Zusammenfassung und Fazit (2)

Es darf festgestellt werden, dass bestimmte Entwicklungen und Zahlen verbund- und statistikbedingte Ursachen haben.

Die Situationen für die BSVAG und die VG Peine bzw. VLG stellen sich unterschiedlich dar, auch wenn alle den EAV gekündigt haben. Die BSVAG hat seit dem Basisjahr 1997 ihr Angebot und damit ihre Kosten stark reduziert und auch nach der angewandten Statistik Fahrgäste verloren. Die Schüler sind zwar eine große Fahrgastgruppe, überwiegen aber nicht. Die Einnahmen der BSVAG sind durch den EAV dagegen garantiert gestiegen. Insofern ist eine Kündigung der BSVAG zumindest nicht nachvollziehbar. Dieses auch deswegen, weil kein belastbares "Nach-Verbund-Konzept" bekannt ist.

Bei der VG Peine und der VLG ist die Lage umgekehrt. Das Angebot musste ausgeweitet werden, die Fahrgastzahlen und die Kosten sind gestiegen. Die Schüler sind die überwiegende Fahrgastgruppe. Eine Kündigung ist hier zumindest nachvollziehbar. Allerdings verschwinden die Schüler nicht mit einer Kündigung des EAV, die Kosten bleiben. Da hier nachweislich höhere Kosten entstanden sind, wäre eine Einigung sicher zu erreichen gewesen. Die Kündigung muss also mittlerweile primär andere Gründe haben, als höhere Ausgleichszahlungen.

Zusammenfassung und Fazit (3)

Abschließend bleiben viele Fragen offen. Ob die Entscheidungen zu kündigen gut durchdacht worden sind, mag dahingestellt sein.

Fakt ist: Die Kündigung des EAV ist keine Bagatelle. Denn gleichzeitig wird damit auch der Kooperationsvertrag gekündigt. Sollte keine Einigung zustande kommen, wird es ab dem 01. Januar 2006 keinen ZGB-weiten gemeinsamen Verbundtarif mehr geben. Unabhängig von den Nachteilen für die Bürgerinnen und Bürger, wird auch der Imageschaden für die Region Braunschweig (Stichwort Kulturhauptstadtbewerbung, Verkehrskompetenzregion oder Verkehrswegeinvestitionen) nicht unerheblich sein. Denn eine Region stellt sich als zerstritten dar und es wäre der erste Verbund, der in der Bundesrepublik zerschlagen wird, trotz guter Finanzen.

Es bleibt die Hoffnung, dass alle Beteiligten - von den Verkehrsunternehmen über den ZGB bis zur Politik - den Ernst der Lage erkennen und sich einigen. So wird zumindest der größere Schaden von der Region abgewendet.

So dass es auch in Zukunft heißen kann:
"Eine Region - Ein Tarif - Ein Ticket für alle"

und natürlich auch ....

 
       © 2005 by Stefan Quast